Kaspar  Weilenmann  Fotograf  Afrika  Europa

Sonne und Schatten,
Armut und Überfluss

Bis heute empört mich, dass die Leute auf der Sonnenseite unserer Erde arm sind und wir auf der Schattenseite alle Reichtümer der Welt bei uns anhäufen.
Seit 23 Jahren bereise ich Westafrika und bewundere den Überlebenswillen und die Würde dieser Menschen.

Der Austausch von Bildern für ein gegenseitiges Verständnis ist seither mein Thema. Ich betreibe angewandte Fotografie, d.h. ich unterhalte einen Dialog mittels Bildern. Einerseits versuche ich uns EuropäerInnen Einblick in afrikanische Alltage zu vermitteln, andererseits interessieren sich AfrikanerInnen immer sehr für unsere Lebensweise. Darum fotografiere ich nicht nur "exotische Idyllen", sondern ebenso unseren banalen Alltag für die Augen meiner afrikanischen FreundInnen. Eine Weltsicht über den eigenen Tellerrand hinaus macht Freude und schafft Freunde! Wie ist es dazu gekommen?

Im November 87 reiste ich zum erstmals nach Burkina Faso in West-Afrika. Die Not, das einfache Leben und die Herzlichkeit der Leute haben mich derart gefesselt, dass ich seither 16 Mal dorthin gereist bin, letztmals im Dezember 2009. Schon während meiner ersten Reise beschloss ich eine Pumpe für ein Dorf zu finanzieren. Anschliessend folgten weitere Projekte: ein Schulhaus, eine Maternité und vieles mehr. So schaffte ich mir die Möglichkeit, aber auch den Zwang, meine Freundschaften und Projekte zu unterhalten.

Wasser gegen Fotos war meine Idee. Ich schenkte dem Bauer Mamadou Paré meine Fotokamera, der machte in seinem Dorf Tosson Bilder des täglichen Lebens. Daraus gestaltete ich eine monatlich wachsende Broschüre und verkaufte sie an FreundInnen und Bekannte. So kam das Geld für eine Handpumpe binnen anderthalb Jahren zusammen. Seit 1991 liefert sie Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen. Danach ging die Sammlung mittels Fotoausstellungen weiter, diesmal für ein Schulhaus, das seit 1995 mit einem ersten Zimmer in Betrieb ist, aber erst 2005 für 3 Klassen eingeweiht wurde. (Immerhin: zur Zeit werden vom Staat 3 weitere Schulzimmer gebaut.)

Auf meinen ausgedehnten Reisen durch Burkina Faso, Mali, Ghana, Benin, Togo, Côte d'Ivoire, Kamerun und Madagaskar sah ich die elende Mangelwirtschaft, die wir Europäer seit Jahrhunderten Afrika aufzwingen. Aber ich sah auch die Überlebensstrategien, die Weisheit und die Würde, mit der sich die Menschen durchs Leben schlagen. Zu Beginn waren die häufigsten Aufnahmen "des poses", weil es in "meinem Dorf" viele Leute gab, von denen noch nie ein Foto gemacht wurde und wenn ich das nächste Mal ein gelungenes Porträt im A4-Format mitbrachte, war die Freude riesig. Ich fotografierte auch gerne Frauen und Männer an der Arbeit, wobei mich speziell das Handwerk interessierte. Später wagte ich mich an die Leute in der Stadt, ihre kleinen Metiers, mit denen sie sich durchs Leben schlagen. Oder die Körper- und Augensprache, mit denen sich die Leute ausdrücken. Auch die Transportmittel sagen viel über ein Land aus, siehe Madagaskar.

Die Themen meiner Schweizer Bilder drehen sich um Junge und Alte, ums'Bänkli, s'Natel, Feste wie Caliente, Charaktertypen, Schicksale. Jedenfalls schaue ich den Menschen tagtäglich ins Gesicht und frage mich, was sie bewegt, worüber sie sich freuen oder ärgern, wie sie sich durchschlagen? Ich versuche nicht nur die äussere Fassade festzuhalten, denn ich weiss, dass es ein Geheimnis dahinter gibt. Seit Jahren fotografiere ich unser mittelschönes Leben und manchmal habe ich das Gefühl, es Eggli vor Seel erhascht zu haben. Leider habe ich noch nie eine Ausstellung mit Europa-Bildern in Afrika gemacht, aber meine Foto-Bücher werden veschlungen und sehr intensiv betrachtet.